Strasse von Gibraltar
1. Grundmuster der Strömung (quasi „immer da“)
Zweischichtiger Austausch:
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Oberfläche (ca. 0–100/150 m): Atlantikwasser fließt nach Osten in das Mittelmeer, typischerweise 2–3 kn in der Kernzone („Atlantic Jet“). tidetechmarinedata.com+1
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Tiefe (unter ~150–200 m): dichtere, salzigere Mittelmeerwasser-Schicht fließt nach Westen hinaus in den Atlantik. ResearchGate+1
Das ist im Querschnitt schön in wissenschaftlichen Schemata dargestellt: oben breiter Oststrom, unten schmalerer, aber kräftiger Weststrom.
2. Verteilung: Südrand – Mitte – Nordrand
Auf Basis von HF-Radar-Messungen (Puertos del Estado / HFR-Gibraltar) und Modellen ergab sich im Mittel: agupubs.onlinelibrary.wiley.com+1
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Mitte / leicht südlich versetzt (Richtung marokkanische Küste):
Hier läuft meist der stärkste Oststrom (Atlantic Jet), teils deutlich über 3 kn in der Düse. -
Nordrand (spanische Küste, Tarifa – Algeciras – Trafalgar-Seite):
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Im Mittel auch ostgehend, aber schwächer und stark von Tiden und Wind beeinflusst.
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Es können zeitweise gegenläufige Strömungen / Wirbel auftreten, v.a. bei bestimmten Windlagen und in Küstennähe (Alboran-Gyres etc.). ResearchGate
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Südrand (marokkanische Küste, Tanger Med):
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Ebenfalls Teil des Oststrom-Systems, dazu windinduzierte Küstenströme (Upwelling / Downwelling) entlang der afrikanischen Küste. ResearchGate
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In manchen Situationen läuft am Südrand ein relativ schwächerer Strom, während die stärkste Düse weiter nördlich verläuft – das hängt stark vom Tidenstand und der großräumigen Druckverteilung ab. agupubs.onlinelibrary.wiley.com+1
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Für die Praxis heißt das: „Mitte = am stärksten“, die Küstenränder können mal Stromentlastung, mal Strömungsfallen sein – man muss die Tageslage kennen.
3. Einfluss von Windrichtung
Levanter (E-Wind, aus Osten)
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Typisch 20–40 kn als Düseneffekt durch die Straße. skybrary.aero+1
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Wirkt gegen den „natürlichen“ Oststrom am Atlantikeingang:
→ Es kann lokal zu westsetzenden Oberflächenströmungen kommen und der Oststrom wird geschwächt oder verlagert. dgfi.tum.de+1 -
Starke Levanterlagen erzeugen kurze, steile See gegen Reststrom / Tide – sehr unangenehm in der Mitte.
Poniente (W-Wind, aus Westen)
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Bläst mit der ostgerichteten Oberflächenströmung.
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Verstärkt tendenziell den Oberflächen-Oststrom, speziell in der Düse – die Strömung kann dadurch noch stärker werden. Centro Tecnolóxico do Mar+1
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In Verbindung mit ablaufsetzender Tide Richtung Atlantik kann das allerdings an den Rändern Wirbel und Rückströme erzeugen; die Strömungsbilder sind dann sehr patchy.
Generell
Aktuelle Arbeiten zeigen klar: bestimmte Windereignisse (starke E- oder W-Lagen) sind in der Lage, die mittlere Oberflächenzirkulation zeitweise umzudrehen oder stark zu verschieben. dgfi.tum.de+1
4. Zusammenhang mit Wellenrichtung
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Wellen kommen meist aus W (Atlantikdünung), laufen in den Engpass →
treffen dort auf:-
Oststrom (normal) → kürzere, steilere, chaotische See.
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Westsetzende Oberflächenströmung (z.B. unter starkem Levanter) → Welle mit Strom, etwas längere Wellen, aber viel Windsee obendrauf. Wikipedia
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Über den Sillen (Camarinal, Espartel) bilden sich starke interne Wellen, die wiederum Oberflächenströmung und -see modulieren und lokale Tide-Rips erzeugen. ScienceDirect
Für Yachten heißt das: die gefährlichsten Kombinationen sind starker Levanter + gegenläufige tidebedingte Strömung + Düse (Mitte/Sillen) → kurze, steile, brechende See.
5. „Exakte“ Diagramme, Bilder & Quellen
a) Wissenschaftliche Diagramme (sehr detailliert)
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HF-Radar-Karten der HFR-Gibraltar-Anlage mit mittleren Strömungsvektoren 2016–2017: sehr schöne Vektorfelder, die genau zeigen, wo der Jet läuft und wie sich Nord-/Südrand verhalten. os.copernicus.org+1
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Querschnitts-Schemata des zweischichtigen Austauschs (Atlantic inflow / Med outflow) inkl. Tiefe, Dichte, Salinität. ResearchGate
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Studien zu Wind-Upwelling an der afrikanischen Küste und zu Wind-induzierten Wasserstands- und Strömungsänderungen quer zur Straße. arXiv+2ResearchGate+2
Diese Abbildungen findest du in den verlinkten Fachartikeln (z.B. Soto-Navarro 2016, Lorente 2019, diverse Arbeiten zu HF-Radar in der Straße von Gibraltar).
b) Praktische, skipper-taugliche Karten
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Kommerzielle Dienste wie z.B. TideTech zeigen explizit Stromfelder in der Straße von Gibraltar inklusive Tidenkomponente – es gibt dazu auch einen Blog-Artikel mit erklärenden Grafiken. tidetechmarinedata.com
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Verschiedene Segel-Artikel / Blogs zeigen Tidal-Stream-Atlas-ähnliche Skizzen für das Gebiet (z.B. noforeignland-Artikel mit Karten der Stromstärken und Nullstromzonen).
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Offizielle spanische und europäische Portale:
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Puertos del Estado (Spanien) – HF-Radar / Modell-Produkte mit Strömungsvektoren. emodnet.ec.europa.eu+1
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EMODnet & Copernicus Marine – hochaufgelöste Modell-Strömungen für Gibraltar, teils frei verfügbar.
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Konkrete „Nordrand vs. Südrand vs. Mitte“-Diagramme für die Sportschifffahrt sind selten in einem einzigen Bild zusammengefasst, aber in den HF-Radar-Vektorfeldern und Modellplots ist genau diese Differenz sehr gut sichtbar.
6. Fazit
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Es gibt sehr detaillierte, valide Strömungsanalysen für die Straße von Gibraltar – inklusive Differenzierung zwischen Nord-, Süd- und Mittelbereich, und inklusive Wind- und Welleneinfluss.
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Es gibt leider derzeit keine exakten zeitunabhängigen, festen Strömungskarte – die Strömung variiert massiv mit Tide, Wind, Dichte-Schichtung und internen Wellen.
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Für dich als Skipper sind HF-Radar / Modellkarten + lokale Tideninfos der beste Weg, die tagesaktuelle Lage abzuschätzen; die erwähnten wissenschaftlichen Abbildungen eignen sich, um das System grundlegend zu verstehen.
Praktische Tipps für die Durchfahrt
Hier ein kompakter „Werkzeugkasten“ mit konkreten Online-Quellen, mit denen du die Strömung in der Straße von Gibraltar tagesaktuell und im Detail anschauen kannst:
1. HF-Radar Oberflächenströmung (realtime & Archiv)
EMODnet / HFR-Gibraltar (kostenfrei, sehr technisch)
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Was: Karten der gemessenen Oberflächenströmung (HF-Radar), stündliche Felder, speziell für die Straße von Gibraltar.
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Wo:
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Nutzen fürs Segeln: Sehr genaue Vektorfelder der Oberflächenströmung (0–2,5 m), ideal, um zu sehen, wo der Jet gerade läuft (Nord/Süd/Mitte) – allerdings eher für Leute, die mit wissenschaftlichen Portalen / NetCDF umgehen können.
Puertos del Estado – Portuscopia / HF-Radar
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Was: Spanischer Dienst, über den du HF-Radar-Daten (u.a. Gibraltar) ansehen und herunterladen kannst. puertos.es
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Hinweis: Eher „Profiwerkzeug“, aber dort liegen die Originaldaten, auf die sich viele Studien beziehen.
2. Modell-Strömung & Wellen (Copernicus Marine)
Copernicus Marine Service (CMEMS)
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Was: Hochaufgelöste physikalische Modelle und Wellen-Reanalysen für das Mittelmeer inkl. Straße von Gibraltar; Strömung, Wellen, Wind. data.marine.copernicus.eu+2documentation.marine.copernicus.eu+2
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Wo: Copernicus Marine (MedSea Physics/Waves Produkte – über Web-Viewer darstellbar).
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Nutzen:
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Du kannst dir Oberflächenströmung + Wellenrichtung als Karten oder Zeitserien anzeigen lassen.
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Sehr gut geeignet, um Windrichtung, Strömung und Wellenrichtung kombiniert zu beurteilen.
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3. Tiden- & Strommodelle für die Praxis (kommerziell)
TideTech – Tidal & Ocean Currents, „Tidemap“
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Was: Hochaufgelöste Tiden- und Strömungsmodelle für die Gibraltarstraße, speziell für Berufs- und Sportschifffahrt aufbereitet. tidetechmarinedata.com+2tidetechmarinedata.com+2
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Funktionen:
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Strömungskarten (Pfeile mit Geschwindigkeit in kn, zeitlich über die Tide).
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Fokus u.a. auf „Biscay, Iberian Peninsula and Gibraltar Strait Currents“ (es gibt ein frei zugängliches Sampleset). tidetech.org
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Nutzen: De facto ein „Tidal Stream Atlas auf Steroiden“ – sehr hübsche, skipper-taugliche Darstellung, inkl. Artikeln, die die Komplexität der Strömungen zeigen (z.B. Blog zu Gibraltar-Strömungen). tidetechmarinedata.com+1
4. Wissenschaftliche Hintergrund-Diagramme
Wenn du tiefer einsteigen willst (Nord/Süd/Mitte, Wind-Einfluss, interne Wellen):
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Soto-Navarro et al. 2016 – „Surface circulation at the Strait of Gibraltar: A combined HF radar and modeling study“
→ enthält Karten mit mittleren Strömungsfeldern, Jet-Position etc. agupubs.onlinelibrary.wiley.com -
García-Lafuente et al. 2017 – „The Mediterranean outflow in the Strait of Gibraltar…“
→ sehr gute Querschnitts-Schemata zum Zwei-Schichten-System und zur Lage der Strömung im Querschnitt. os.copernicus.org -
Accuracy assessment of HF radar current measurements in the Strait of Gibraltar
→ erklärt HF-Radar-System, Genauigkeit und zeigt Beispielkarten. ResearchGate+1
Diese Paper bekommst du meist über Verlagsseiten oder ResearchGate (teilweise frei zugänglich) – darin sind genau die Diagramme, die du suchst.
5. Praxisorientierte Artikel mit Skizzen
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NOFOREIGNLAND – „Transiting the Straits of Gibraltar“
→ Praktischer Törnbericht mit Tidal-Stream-Skizzen und Diskussion zu Strömung, Wind und Orcas. sail-world.com -
Sail-World – „Navigating the Strait of Gibraltar tides“
→ Kurze Erklärung zum Zusammenspiel von Grundstrom (Ost) und Tide + Beispielgrafiken aus TideTech. sail-world.com

