Radar-Ansteuerung
Für eine SSS-Prüfung (Sportseeschifferschein) und die sichere Ansteuerung einer Marina auf kurze Distanz (unter 0,5 sm) ist die Zieltrennung wichtiger als die Reichweite. In der Prüfung wird erwartet, dass du das Radar so einstellst, dass du zwischen Steinmolen, hölzernen Pricken und beweglichen Objekten unterscheiden kannst.
Vorgehensweise
1. Positionsbestimmung über Radar-Peilung (ggf. Kontrollpeilung) und Abstand (EBL/VRM)
2. Eintrag in Karte (mit Uhrzeit, Kartenkurs, Geschwindigkeit als Vektor)
3. Kartenkurs in Karte bestimmen (zum Hafen)
4. Kurs ggf. berechnen, wenn MgK des Magnetkompass-Kurses benutzt werden soll.
Alternativ: COG an den Steuermann ansagen.
Hier ist das optimale Setup für dein Axiom 2 Pro in dieser Situation:
Alle Einstellung auf dem Plotter: Radarbild -> "Einstellungen" (rechts oben) -> "Einstellungen" (3 Zahnräder) | Reiter "Einstellungen"
Begriffe
COG = Kurs über Grund (wird vom GPS errechnet, wenn in Fahrt)
HdG wahr = Heading entspricht rwK, also die Rechtvorrausrichtung / Kiellinie. Erzeugt durch den elektronischen Fluxgate (Ablenkung und Mißweisung sind bereits kompensiert). Der Fluxgate zeigt auch bei Stillstand die wahre Rechtvorrausrichtung an
MgK = Magnetkompasskurs vom Steuerstand. Ablenkung und Mißweisung müssen berücksichtigt werden.
In langsamer Fahrt bei Seitenwind und Strom, wird HdG und COG sich auseinander entwickeln (Versatz durch Wind uns Strom). Mit mehr Fahrt rücken die beiden Werte wieder näher zusammen bzw. können nahezu identisch werden.
eine Radarpeilung, bzw. Seitenpeilung findet in Bezug zum kompensierten Heading (HdG wahr) statt.
Störimpulsunterdrückung & IR-Stufe
Wenn wenig andere Radare stören:
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Störimpulsunterdrückung: Auf "Niedrig" oder "Aus". Wenn keine anderen Radare stören, filtert diese Funktion nur unnötig Rechenleistung. In der Prüfung zeigst du damit, dass du die Umgebung einschätzt.
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IR-Stufe: Niedrig. In einer Marina-Einfahrt brauchst du ein "Echtzeit-Gefühl". Eine zu hohe IR-Stufe würde das Bild glätten, aber bei schnellen Kursänderungen des eigenen Schiffes oder einbiegenden Booten das Bild verzögern ("Schmiereffekt").
Erweiterte Echos (Target Expansion)
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Einstellung: AUS.
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Begründung: Das ist der wichtigste Punkt für die Marina. Target Expansion macht Echos künstlich größer. In einer engen Einfahrt führt das dazu, dass die Lücke zwischen zwei Molenköpfen auf dem Schirm plötzlich "zuwächst", obwohl sie real noch offen ist. Für die SSS-Prüfung: Präzision vor Sichtbarkeit. Du willst die exakte Kante der Mole sehen, keinen dicken roten Klecks.
Sendefrequenz & Pulsweite
Dein Axiom steuert dies oft über den gewählten Bereich (Range).
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Einstellung: Wähle einen kleinen Range (z. B. 1/8 sm oder 1/4 sm).
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Effekt: Das System schaltet automatisch auf den Kurzpuls um.
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Vorteil: Nur der Kurzpuls hat die nötige radiale Auflösung, um z. B. eine kleine Plastiktonne direkt vor einer massiven Steinmauer als separates Objekt darzustellen.
Sea Clutter (Seegangsentrübung) & Rain
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Sea Clutter: Auf "Manuell" stellen und so weit reduzieren, dass gerade noch kleine Punkte (Rauschen) im Zentrum zu sehen sind. In einer Marina ist das Wasser oft ruhiger; eine Automatik filtert hier manchmal kleine Bojen weg, die sie für Wellen hält.
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Rain: AUS (außer es schüttet massiv). Rain-Filter fressen die Signalstärke kleiner Ziele.
Zusammenfassung für die SSS-Prüfung (Checkliste):
| Funktion | Einstellung | Begründung für den Prüfer |
| Range | 0.25 sm bis 0.5 sm | Maximale Detailtiefe und Nutzung des Kurzpulses. |
| Target Expansion | AUS | Um die reale Größe von Durchfahrten nicht zu verfälschen. |
| Interference Rej. | AUS / Niedrig | Keine Fremdstörungen vorhanden; schont die Signalintegrität. |
| Gain (Verstärkung) | Manuell (ca. 70-80%) | Um ein scharfes Bild ohne "Zulaufen" der Echos zu erhalten. |
| Widerstand (Sea) | Manuell | Feineinstellung, um kleine Tonnen nicht zu unterdrücken. |
Hinweis
Wenn gelegentlich auf Automatiken (Hafen, Küste, See, Wetter) geschaltet wird, dann schalten sich ggf. Störimpulse, IR, Sendefrequenz "automatisch" wieder ein!
Ein Profi-Tipp für die SSS-Prüfung:
Nutze die EBL/VRM (Electronic Bearing Line / Variable Range Marker). Lege das VRM auf den Abstand zum Wellenbrecher und das EBL auf die Hafeneinfahrt. Das zeigt dem Prüfer, dass du das Radar aktiv zur Navigation nutzt und nicht nur "draufschaust".
ggf. "Echoschleppen" (Target Trails) einstellst, um die Bewegungsrichtung der anderen Schiffe in der Marina sofort zu erkennen.

