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Playstation - Probieren & Studieren _/)_

Neben den vernünftigen Einsatz für Ausbildung, Trainings und Meilentörns bietet eine eigene Yacht viele Möglichkeiten um Dinge auszuprobieren. Dazu zählen neben unterschiedlichen seemännischer und navigatorischer Manövern viele technische Spielereien, die im Bordalltag nützlich und in schwierigen oder sogar in Not-Situationen eine Hilfe bieten können. Sie zeigen auch Grenzen und Gefahren auf.

Besonderes Augenmerk gilt bei mir und einigen Crewmitgliedern, die Bordtechnik aus zu probieren und Verknüpfungen von neuen oder mobilen Gerätschaften auszutesten. Dabei kommt es unweigerlich zu Überraschungen und Kenntissen von Grenzen und Gefahren.

Für Charterer könnten diese Erfahrungen interessant sein. In ein oder zwei Charterwochen wird man sich im Urlaufsfeeling nicht so tief in die Bordtechnik mit all den Facetten einlassen - und wenn, hat man es bis zum nächsten Mal wieder vergessen. Folgende "Experimente" und Erkenntnisse möchte ich hier wiedergeben: 

 

Die Logge steht auf null oder zeigt einen falschen Wert an

Eine Logge besteht häufig aus einem kleinen Rädchen in der Mitte am vorderen unteren Bereich (Bugkabine) am Schiffsrumpf.
Das Rädchen setzt sich bereits nach ca. 3-4 Wochen nach Säuberung so sehr mit Bewuchs (Algen/Muscheln) zu, so dass die Einzeige nicht mehr stimmt oder falsch wird.
Die Logge kann von oben "gezogen", durch einen Blindstopfen während der Reinigung verschlossen, und wieder eingesetzt werden. Während der Aktion wird ca. 3-4 Liter Wasser in die Bilge kommen, das wieder abgepumpt/rausgewischt werden kann. Da man hier was falsch machen kann, sollte dies durch einen erfahren Benutzer in Abstimmung des Vercharterers durchgeführt werden. (Beim Einsetzen der Logge auf die Nut achten - damit die Dreh- und Ausrichtung des Räschens stimmt)

 

Stimmt der Tiefenmesser?

Die Angaben: Wasser unterm Kiel, Wassertiefe von der Oberfläche oder ggf. Tiefe vom Schiffsrumpf aus gemessen. Mit oder ohne Sicherheitswert? - das kann von dem Charterangestellten nur selten sicher gesagt werden oder ggf. falsch. Weitere Fehlerquelle Maßeinheit: "feet" oder "Meter"?

Besser man lotet die Tiefe etwa kurz vor dem Mast links und rechts mit einem Lot oder Behelfslot (Stein mit dünner Leine) und vergleicht die Messung mit der Displayanzeige und notiert den Differenzwert.
Durch "rumspielen" am Display kann es passieren, dass von "Meter" auf "feet" umgestellt wird.

 

Ankern

Wenn man eine Halskette mit größeren Anhänger langsam der Läge nach auf den Tisch legt, erinnert das sehr an einem Ankervorgang.
Kleiner Apell an die Vorstellungskraft: Man hat ein ca. 10cm tiefes Wasserbecken. Der Anhänger ist ein kleiner Anker. Der Beckenboden ist mit Sand gefüllt.
Damit der Anker hält, sollte die Kette 3 - 5x so lang wie die Wassertiefe - also ca. 50cm sein. Zunächst geht der Anker mit Kette gerade runter, bis der Boden berührt wird. Jetzt wird man die Kette schön in einer Linie auf den Sand legen. Der Anker liegt erstmal nicht vorteilhaft, durch leichtes Ziehen wird er jedoch ausgerichtet und durch sehr! sanftes Ziehen gräbt sich dieser in den Sand.
Eine entscheidende Beobachtung ist: 1. das Auftreffen des Ankers auf den Grund; 2. der Anker richtet sich aus; 3. der Anker gräbt sich ein.
Die Situation ergibt eine gewisse Haltekraft. Abhängig von der Beschaffenheit des Ankers, des Untergrundes, der Länge der Kette, ob der Anker gut eingegraben ist. Durch sehr kräftiges Ziehen und/oder Änderung der Zugrichtung wird der Anker ausbrechen und ggf. sich wieder selbstständig eingraben.
In der Realität bedeutet das ein vernünftiges Zusammenspiel über Wissen und Kommunikation (Beschaffenheit des Untergrundes, Wassertiefe, ausgebrachte Kettenlänge, Kette stecken, Kette stoppen, Lage des Ankers, der Kette, des Schiffes sowie Wind und Welle). Die Ankerwache beinhaltet: Einstellen des GPS-Ankeralermes, ggf. Flachwasseralarm, Windalarm, Kreuzpeilungen, Abstände kontrollieren (über Laser-Entfernungsmesser).

LEHRFILM (Yacht.tv)
Ankern für Anfänger Teil1 Ankern für Anfänger Teil2  
FEHLERQUELLEN
Das Einfahren des Ankers erfolgt zu unsanft! | Kette zu kurz gesteckt | Falscher Ankerplatz/Untergrund, Kabel am Grund | Schwoikreis nicht beachtet (andere Schiffe, Ufer) | Zusammenspiel von den oben genannten Faktoren hat nicht stattgefunden

 

Der Autopilot kann mehr als nur STANDBY und AUTO

Was kann der Autopilot (z.B: ST6002 von Raymarine)?
Normalfall: Autopilot auf AUTO und der gerade gefahrene Kurs wird per Fluxgatkompaß gesteuert. STANDBY deaktiviert den Autopiloten wieder.
Was kann er sonst noch?

  • die Dämpfung (d.h. wie schnell oder träge Lenkbewegungen bezogen auf Wellen ausgeglichen werden)
  • Eine automatische Wende - Nach bb bzw. stb jeweils +1 und +10 gleichzeitig drücken
  • Kurshalten nach Windsteuerung. Die Windrichtungsanzeige sollte gut kalibriert sein
  • Das Autopilot kann den Kurs vom Kartenplotter/Kurscomputer erhalten (hierbei erspart man sich die ständige Anpassung des Kurses mit +1 stb/bb -Schritten)
    1) Route im Kartenplotter erstellen 2) Route aktivieren 3) Autopilot auf AUTO 4) TRACK beim Autopiloten drücken und bestätigen.
    Nach jeder routenmäßiger Änderung wird der Autopilot pipsen und einen Druck auf TRACK einfordern - erst dann wird der neue Kurs vom Autopiloten eingestellt.
  • FEHLERQUELLEN
    Die Route ist erstellt worden. Man ist bereits losgefahren. Die Route wird irgendwann aktiviert. Wenn jetzt der Pfeil in der Autobahnansicht nach unten zeigt, liegt der nächste anzusteuernde WP bereits hinter uns. Würde man jetzt den Autopiloten auf Basis der Route aktivieren, würde das Schiff eine 180Grad-Wende vollführen!!! (es müssten all die WPs hinter uns am Kartenplotter erst übersprungen werden, um auf den nächsten vor uns liegenden zu zeigen).
    Je nach Konfiguration, kann der Autopilot auch vom Kartenplotter aktiviert werden!!! - Der Rudergänger sollte vorgewart werden!
    Der Autopilot kann ggf. aus Versehen aktiviert/deaktiviert werden, je nachdem wo das Schaltpanel platziert ist. (das passiert öfter als man denkt!). Bei verklemmten Ruder sollte man IMMER sofort an den Autopiloten denken!
     

Der Kartenplotter kann mehr

Das kleine 1x1 des Kartenplotters: Das eigene Schiff wird als Symbol dargestellt. Mit einer schnellen Navigation kann ein Wegepunkt erstellt und GOTO aktiviert werden. Es kann eine Route erstellt und aktiviert werden. Sind Kreuzkurse definiert, sollten diese bei Bedarf den Realitäten während der Fahrt angepasst werden. Es kann entsprechen rein/rausgezoomt werden. Die Anzeige kann gesplittet werden, um navigatorische Informationen anzuzeigen. Geschwindigkeit, Tiefe, Entfernung und Zeit zum WP und zum Routenende, Autobahnansicht mit Ablage. Je nach Modell und Ausrüstung kann das RADAR und AIS über der Seekarte eingeblendet werden. Je nach Modell kann der Plotter über WLAN gespiegelt, oder fernbedient werden. (Tochterinstrument, Tablet). Der Plotter kann den Autopiloten steuern, sowie navigatorische Daten weitergeben.
BEISPIELE
Sind Radarechos innerhalb einer definierten Sicherheitszone erkennbar, werden diese an den Laptop (OpenCPN mit Seekarte) automatisch mit Alarmierung weiter gegeben. Es werden Wassertiefe, Fahrt durchs Wasser (Logge), Wassertemperatur, Windgeschwindigkeit und -Richtung, AIS, weitergegeben. 

 

Laptop & Tablet

Neben den verbauten Geräten bildet Laptop und Tablet eine standalone Backuplösung. Als Charterer kann - neben Papierseekarte - das Laptop und das Navigations-Tablet eine Hauptnavigation bilden und der fest verbaute Plotter als Backup dienen.
Für den Autor der Webseite kommt zum Einsatz: OpenCPN mit Windowslaptop und aktuellen Seekarten, Tablet mit Navionics sowie Chartnavigator . Es finden regelmäßig Seminare darüber statt.

 

Alarme

Mit und ohne Fahrt durchs Wassser spielen Alarme eine wichtige Rolle, um eine Aktion zu fordern oder eine drohende Gefahr abzuwenden. Die gängisten Alarme:
Anker| Flachwasser| AIS | Radar | Kursablage | Annäherung an WP/Kursänderung | DSC-Funk | Luftdruck fällt schnell | Motortemperatur | Ladevorgang unter Maschine | Batteriespannung | Wasser in der Bilge | Rauchmelder | Gaswarner | Windalarm | Frischwasser |
Als Charterer ist man  schnell in der Überforderung. Anker- und Flachwasseralarm sollte man jedoch unbeding beherrschen! 

 

Was gibts sonst noch?  - RADAR, AIS, NAVTEX

NAVTEX
übermittelt für die Seefahrt wichtige Informationen. Dazu zählen: Wetter, militärische Übungen, vorübergehende Sperrgebiete, Veränderungen in der Betonnung, Ausfälle und Verluste, Sicherheits und Notmeldungen, u.v.a.m. Navtex-Meldungen sind über das Internet abrufbar:
Naverea III (Mittelmeer)  | Q für Kroatien | U für Italien |  live-Navtex im Internet   |  Navtex-Messages (Kroatien)   |   Radio Navigational Warnings (Kroatien)
Häufig genug besteht jedoch keine Datenverbindung. Über einen NAVTEX-Empfänger können diese per FUNK automatisch empfangen werden. Der Autor der Webseite benutzt das Gerät WIB3 der Fa. Moerer auf der La Bonita

AIS (Automatic Identification System)
Empfängt (und sendet) automatisch statische und dynamische Daten von Schiffen und Schifffahrtseinrichtungen. Es warnt vor Nahbereichslagen und trägt zur Sicherheit des Verkehrs auf dem Wasser bei.
Die AIS-Daten werden von Kartenplottern, Navigationsprogrammen (PC/Tablet) automatisch verarbeitet und angezeigt. Alarmieren bei Nahbereichslagen. Auf der La Bonita kommt ein aktives AIS von AMEC-Camino 208W zum Einsatz. Es sendet Daten an den Kartenplotter, Navigations-PC, per WLAN auch an Navigations-Tablet oder einem Smartphone.

RADAR
findet man nur selten auf Charterschiffen. Kenntnisse im Umgang mit RADAR sind Bestandteil einer Profiskipper-Ausbildung (SSS-Schein). Auf der La Bonita wird u.a. bei einem Skippertraining am RADAR-Gerät ausgebildet.

 

Kalibrierung der Messinstrumente: Logge, Windgeschwindigkeit, Windeinfall, Kompass?

Als Charterer wird man sich nur selten in die Untiefen einer Kalibrierung von Instrumenten einlassen. Allerdings habe ich in dieser Rolle nur selten ein Schiff angetroffen, bei denen Meßwerte gestimmt hätten. Allen voran die Logge (s.o.). Der Kompaß zeigt nicht selten 30 Grad daneben. Auch der Fluxgatekompass des Autopiloten liegt zuverlässig falsch. Die Anzeige des Tiefenmessers ist immer ein Waagnis. Die Ansprüche auf ca. 50 Charterungen habe ich mit der Zeit runtergeschraubt und ein gewisses Verständnis für den Charterbetrieb entwickelt. Die Lösung lag darin, eigenes Equipment mit zu nehmen und durch Nachmessen einen Korrekturwert zu notieren.
Auf einer eigenen Yacht ist man gut beschäftigt, Kalibrierungen vorzunehmen. Diese müssen von Zeit zu Zeit nachjustiert werden. Die Justage der Magnetkompasse an den Steuersäulen ist (durch Kompensationsmagnete) sehr aufwendig. Wenn man schnell ist, schafft man es eine Ablenkungs/Steuertabelle in ca. 1-2h zu erstellen (mit Hilfe von GPS-Kurs). Mit einer Deviationstonne dauert es noch länger. Kalibrierungen sind zusammenfassend ein ständiges Bemühen und erfordern ein häufiges Abgleichen und Überprüfen.

 

Drohne & 360Grad-Kamera

Ob nun als Film oder Foto, Aufnahmen mit einer Drohne findet man häufig rund um einer Yacht, am Anker- und Liegeplatz. Auf der La Bonita gehört so ein Fernerkundungswerkzeug auch zur Ausstattung. Eigene Erfahrungen segelnder Weise stehen noch aus. Die Drohne ist eine DJI Mini2 mit 4k-Kameraauflösung. Es soll die Funkverbindung bis zu 10km halten - was sicher nur bei Bestbedingungen erreicht werden wird. Die Drohne ist mit reichlich Zubehör ausgestattet (Wasserlandegestell, 5 LIPOS, Filter, LED, etc).  Gesetzliche Bestimmungen müssen hier selbstverständlich eingehalten werden. Der Yachteigner hat einen entsprechenden Drohnenführerschein und viele Übungsflüge absolviert.

Auf der La Bonita kommt gelegentlich eine 360Grad-Kamera Fabrikat MIJA zum Einsatz. Sie kann 4k-Kugelpanoramas mit einem Klick aufnehmen - aber auch entsprechende Videos im 360Grad-Format erzeugen.
Mehrere Crewmitglieder haben im Rahmen einer Mast-Besteigung die 360-Grad mit rauf genommen. Izola | Portoroz | Einfahrt von Izola
360Grad-Aufnahmen mit der Drohne: Chiemsee

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